Von allen Realitäten, die uns umgeben, gehen Fäden oder auch Brücken aus, die irgendwo im Niemandsland undefinierter Zusammenhänge enden.
Wenn Realität für uns Menschen all das sein kann, was wir zu glauben bereit sind, und wenn ich dann noch glaube, dass sich hinter mehreren sichtbaren Dingen – ob diese nun miteinander zu tun haben oder nicht – immer ein noch größeres, sie verbindendes Etwas auftut, dann fällt es mir schwer, meine Malerei als bloßen Realismus oder Surrealismus zu bezeichnen.

Wer hat nicht manchmal Probleme damit, das eine vom anderen zu unterscheiden...


Gedanke, ziehe aus Fleisch zu werden...
Das Fischen in der bunten Medienflut, im Alltag des sozialen Mit- einanders und in den trüben Untiefen des Schlamms, der sich in den Gräben unserer psychischen Stellungskriege angesammelt hat. Das ist mein Geschäft.
Zu versuchen, mit Herz und Hirn irgendwelche Essenzen aus all dem zu filtern, was da vor mir liegt, um mich ist oder auf mich einströmt. Sowohl Wahrheiten als auch Lügen zu finden, die sich oft genug auf´s Haar gleichen. Die Themen, die in meinen Bildern meist oder sogar immer nur angeschnitten werden, sind dabei so mannigfaltig wie die Welt selbst und so zahlreich wie wir Menschen und die Worte, die wir gebrauchen um sie zu beschreiben.
Als Maler bin ich eher einer, der mit Bildern und Symbolen dichtet, wobei deren jeweilige Wertigkeit auch wechseln kann. Und wie jeder Dichter sähe ich meine Arbeit lieber in Stein gemeißelt, doch das dünne Eis und halb verfallene Holzwege über Morast sind mein Zuhause. Bin wie der Affe, der mißtrauisch auf die Wasseroberfläche starrt, manchmal etwas darunter erspähend, ob einen schönen Fisch oder die Schreckensfratze des Krokodils, den Himmel über mir oder Einfach nur mein Spiegelbild. Und wenn ich mich selbst denn sehe, fasse ich mir manchmal immer noch ungläubig an die Stirn, weil ich mich frage, wo der geblieben ist, der gestern noch ein Kind war und unbefangener zweifelte.
Ich wünschte, es gäbe Formeln und Gesetze, derer ich mich bedienen könnte, um gemessenen Schrittes die Welt zu erforschen. Aber wenn Verstand und Gefühl es gemeinsam versuchen, stehen sie sich in einem immer noch unerfahrenen Menschen wie mir eben noch eher im Weg, als daß sie einander Stütze und Hilfe wären.
Gebe Gott oder wer auch immer, daß es niemals anders wird...

Sebastian Gahntz





























sebastian gahntz malerei

Dreikampf | 2010 | Öl auf Leinwand | 120 x 200 cm